Ehre den Ewigen mit deinem Talent

Der Vers aus Sprüche 9,3 "Ehre den Ewigen mit deinem Talent" wird im Midrasch Psikta Rabbati so erklärt, daß damit auch "deine Stimme" gemeint ist.

"Denn, wenn du eine schöe Stimme hast und in der Synagoge bist, erhebe sie und ehre den Ewigen mit deiner Stimme. Hiyah, der Neffe Rabbi Elazar Hakapers hatte eine schöne Stimme und Rabbi Elazar pflegte zu ihm zu sagen:
Hiyah, mein Sohn,
steh auf und ehre den Ewigen mit dem, womit er dich begabt hat."

Diese Worte treffen auch auf Kantor Chaim Adler zu.

Chaim Adler ist sicherlich der zeitgenössische Kantor mit dem größten Talent. Er besitzt eine unglaublich schöne Tenorstimme, die er mit makellosem Geschmack, Stil und höchster Perfektion einsetzt.
Seine Interpretation der Liturgie ist fehlerlos und seine Erscheinung auf der Konzertbühne und der Bimah nimmt die Zuhörer gefangen.

Durch seine Freundlichkeit, seinen Charme und seine ruhige Bescheidenheit gewinnt er sein Publikum.
Der "Kantor mit einem Koffer" tritt auf der ganzen Welt auf. Seine Popularität ist auf einer Höhe, die niemals zuvor von einem Kantor erreicht wurde.
Er dominiert das Gebiet der Chasanut so vollständig, daß er keine Konkurrenz fürchten muß.

Chaim Adler wurde mit dem größten Tenor des Zwanzigsten Jahrhunderts verglichen, dem unsterblichen Enrico Caruso, der sein Publikum mit einer ebenso schönen Stimme in Atem hielt. Wie Caruso meisterte auch Adler viele lyrische Tenorpartien der Opernliteratur. Adler ist so vielseitig talentiert, daß er auf der Opernbühne genauso zu Hause ist wie im Synagogengesang.

Es ist keine Seltenheit, daß Adlers Auftritte von minutenlangen "Standing Ovations" begleitet werden.

Chaim Adlers Gesangskarriere begann im Alter von sechs Jahren, als er während eines Gottesdienstes "aushalf". Damals entdeckte der Vaters erstmals, mit welchem Talent sein Sohn gesegnet worden war. Chaim Adler wurde zu Kantor Leib Glantz gebracht, der das Talent des Knaben bestätigte und seinem Schützling eine große Zukunft vorhersagte. Leib Glantz nahm ihn unter seine Fittiche, bildete ihn aus und wurde sein Mentor.

Chaim Adler pflegt über seine Ausbildung bei Leib Glantz zu sagen:

"Er erklärte mir, ich solle nicht versuchen, ein Kousevitsky, Jossele Rosenblatt oder Mordechai Hershman zu werden, sondern ich selbst zu sein. 'Sei ein großer Chaim Adler, statt zu versuchen, andere zu kopieren.' Und ich begann über meinen eigenen Weg und meinen eigenen Stil nachzudenken.""Kantor Glantz lehrte mich, wie man über Tefillah denken muß, wie man führt und inspiriert. Er half mir auch, die Etymologie der Gebete kennenzulernen und ihren Aufbau von ihren Wurzeln her zu schätzen.

Ich lernte all die verschiedenen Stile der Chasanut, alle Traditionen des Synagogengesanges. Mein Ziel ist es, die Menschen auf eine höhere Ebene zu ziehen. Mit meinen Konzerten möchte ich jene ansprechen, die nicht in die Synagoge kommen und deshalb keine Gelegenheit haben, die Liturgie zu hören."

Leib Glantz' Rat fiel auf fruchtbaren Boden. Chaim Adler ist der weltweit führende Kantor und seine Kollegen und Lehrer gestehen ihm diese Position neidlos zu.

Chaim Adler tritt auf der ganzen Welt auf: in Rom, München, Australien, Mexiko. den Vereinigten Staaten, Miami, San Diego, London, Paris und in Wien. Überall jubelt ihm ein begeistertes Publikum zu.

An einem von ihm geleiteten Jom Kippur Gottesdienst an der Westmauer nahmen 15.000 Menschen teil.
Anlässlich des 30. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau wurde Chaim Adler eingeladen, den Gedenkgottesdienst zu singen. Die Vertreter der deutschen Regierung waren durch seine Rezitationen so aufgewühlt, daß sie in Tränen ausbrachen und Adler nach dem Gebet umarmten.

Chaim Adler sagte nach diesem Erlebnis:

"Diese Erfahrung machte auf mich einen tiefen Eindruck. Ich bin kein Computer und als ich daran dachte, wieviel unsere Brüder und Schwestern hier erlitten, wie hätte es mich nicht berühren können."

Auch bei der Widmungsfeier des Denkmals für die jüdischen Opfer in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Mauthausen war Chaim Adler anwesend.

Chaim Adler ist der Oberkantor der Großen Synagoge in Tel Aviv, wo er alle öffentlichen und religiösen Funktionen, die seine Position mit sich bringt, ausübt.
Adler, der auch ein ordinierter Rabbiner ist, studierte an der berühmten Hebron Jeschiwa in Jerusalem. 1968 veröffentlichte er das Buch "The Pure Table", ein Werk über die Vorschriften der Kaschrut.

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Text und Gestaltung: Dr. Chani Hinker